Interviews

  
ASTAN MAGAZIN
06/ 2005

Das schwarzromantische Gothic / Darkwave Projekt eXplizit einsam existiert bereits seit 1992. Mit deutschsprachigen Texten voller emotionaler Tiefe und Nachdenklichkeit gelang es Andreas J. Ohle - Mastermind von eXplizit einsam – sich in die Herzen der schwarzen Szene zu spielen. Anfangs geprägt von einem elektronisch minimalistischen Grundsound („Das Trauma“) folgte in den späteren Jahren eine Fusion von mittelalterlichen Klängen, Klassik, Elektronik und Dark Wave. Geblieben ist jedoch der typisch rezitativ melancholische Sprechgesang – wohl das eindrucksvollste Markenzeichen von eXplizit einsam. Nach diversen Demotapes und CDRs erschien zuletzt deutschlandweit die erste offizielle CD „Auf Ewig“ bei SX Distribution. Dunkel und düster, morbide und abstrakt seziert Sänger Andreas J. Ohle seinen eigenen Geist vor dem Publikum als eine Art Gruppentherapie.

Wie wichtig sind einer Formation wie EE die Texte?

Ich denke, die Texte sind wichtig. In den ersten Jahren von eXplizit einsam lag der Hauptschwerpunkt auf den Texten. Für mich war es eine Art Therapie und Selbstfindung Texte über mich und meine Gefühle zu schreiben. Die Musik war zu diesem Zeitpunkt noch im Hintergrund – erst in den letzten Jahren gewann auch der musikalische Aspekt bei eXplizit einsam größere Bedeutung. Durch den Einsatz von neuem Equipment, neuen Synthesizern und Samplern war es mir möglich den Stil von eXplizit einsam in eine andere Richtung zu lenken. Das Wort war immer noch wichtig – stand aber mit der Musik auf einer gleich hohen Stufe. Ich kombinierte klassische und elektronische Stilmittel und manche Songs wurden so intensiv und ausdrucksstark, dass sie keiner Worte mehr bedurften. So finden sich auch auf dem aktuellen Album „Auf Ewig“ einige Instrumentalsongs wie etwa der Song „Anagram“, der für mich eine sehr persönliche Bedeutung hat und von einer unerfüllten Liebe handelt.

Was fällt euch zum Thema Sex & Drugs & Rock´n Roll ein?

Nicht viel – ich war nie ein Fan von Drugs und auch kein Rock`n Roller. So etwas habe ich nie gebraucht, da ich immer von einem eigenen inneren Feuer zehre, das mir sehr viel Energie gibt. Oft sitze ich vor meinen Synthesizern im abgedunkelten Zimmer (Licht ist mir mittlerweile ein Graus!) und komponiere stundenlang oder arbeite an neuen Sounds. Dies ist für mich der wahre musikalische Rausch bei dem ich die Umwelt völlig vergessen kann und mich nur noch auf die Musik konzentriere. Musik ist für mich in gewisser Weise mein eigenes persönliches Lebenselixier. Aber die Lebensweise von so manchem Rockmusiker kann und will ich nicht teilen. Dafür ist die Zeit, die mir auf Erden bleibt zu knapp bemessen. Ich habe jetzt schon ein Problem damit, weil ich weiß, dass ich in diesem Leben nicht mehr all das schaffen kann, was ich mir vorgenommen habe - und die Ewigkeit ist so langweilig.




Wenn EE nicht Musik wäre, sondern eine Textzeile aus einem Gedicht der Herren Schiller oder Goethe oder Brecht. Nennt diese...

„wenn ich nicht explizit einsam wäre, was wäre ich dann? Nur ein lichter Schein des Morgens, der die Ruhe der Nacht stört, nur ein Hauch der Finsternis, der das Klagen und Jaulen des Tages ankündigt?“ so ähnlich könnte es ein Goethe oder Schiller geschrieben haben, wenn diese Zeilen denn jetzt nicht von mir wären. Ich habe von Schiller, Brecht wie auch Goethe einiges gelesen. Einen Vergleich mit diesen Schriftstellern will ich jedoch nicht, da er meiner Meinung nach gar nicht passt. Meine Art Texte zu schreiben ist etwas, dass aus mir einfach heraus entsteht. Gedanken gehen mir durch den Kopf, die zu Worten werden. Meist handelt es sich um die dunklen Seiten des Lebens und der Existenz. Liebe, Schmerz, Leid und Tod sind in mir irgendwie allgegenwärtig und Teil meines Lebensgefühls. eXplizit einsam bedeutet für mich heutzutage, eine übergeordnete Form von Einsamkeit. Man ist einsam, einsamer oder am einsamsten – aber ich finde eXplizit einsam drückt einfach mehr aus – es ist die Einsamkeit als Wesensheit in der Unendlichkeit des Universums und dass man letztlich doch mit seinen Gedanken ganz alleine ist. Aber ebenso ist es die bittere Erkenntnis, dass unsere Zeit auf Erden nur kurz ist und der damit verbundene Schmerz über verlorene und vergeudete Tage. All dies ist eXplizit einsam und eben nicht nur ein Goethe Zitat.

Zu welcher TV Serie / TV Sendung würdet ihr gerne die Musik komponieren?

Ehrlich gesagt gibt es kaum eine Sendung, die im deutschen Fernsehen derzeit eine Thematik hat, die sich mit unserer Musik vereinbaren lässt. Am ehesten denke ich da noch an die Real-Verbrechenssendungen a la „Medical Detectives“, die derzeit auf RTL2 oder VOX laufen. Ein düsterer Hintergrundsound ist dort sicher interessant. Generell, denke ich, ist dies zwar eine sehr verlockende Sache, aber andererseits auch arg beschränkend. Man muss einen Kompromiss finden zwischen dem was die Fernsehmacher wollen und dem was man selber will. Da interessieren mich schon eher andere Projekte, wie z.B. das Schreiben eines Buches oder die Malerei. Ein Projekt, das ich selber seit geraumer Zeit verfolge, soll eine Art Szenemovie werden, schnell geschnitten mit einem dazu passenden Soundtrack. Aber dies ist etwas, dass noch mehr in meinem Kopf herumirrt, als das es schon konkrete Pläne oder gar eine Umsetzung gibt.

Ihr seid der Grund für die Schlagzeile auf Seite 1 der Bildzeitung. Was würde da stehen?

Hoffentlich mal gar nichts! Eine leere Seite! Nein, im Ernst, ich glaube, wenn das der Fall wäre, wäre eXplizit einsam für mich persönlich sicher nicht mehr interessant. Geadelt werden durch ein Medienblatt wie die Bild wäre wohl so ziemlich das letzte wonach mir der Sinn steht. Ich möchte an dieser Stelle mich mit weiterer Kritik zurückhalten. eXplizit einsam ist von der Grundkonzeption etwas, was im Untergrund beheimatet ist – ein Hoffnungsschimmer für die Hoffnungslosen – gleichzeitig die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst (sofern man sich darauf einlässt). Es ist also eine Sache, die im Inneren funktioniert. Die breite Masse versteht meine Gedanken nicht und Erklärungen sind überflüssig. Schon alleine das Bemühen um eine Erklärung – sinnlos! Es gibt halt einige die verstehen ... der Rest ist Schweigen. Aber für diese Minderheit bin ich mit ganzem Herzen da und mittlerweile gibt es ja auch vielfältige Möglichkeiten eXplizit einsam zu hören oder darüber zu lesen, sei es bei www.mp3.de, wo man sich unsere Songs anhören und downloaden kann, oder bei diversen Internetradios. Vor allem aber sind Szenemagazine wie ASTAN zu erwähnen, die uns gerade im letzten Jahr besonders unterstützt haben. Ihren positiven Rezensionen ist es zu verdanken, dass eXplizit einsam auch heute im Jahr 2005 noch existiert.

Stellt euch vor eure Musik würde sich nicht in Tönen manifestieren - sondern in Farben? In welche Farbe definitv nicht und warum diese Farbe nicht?

Hmmm … eine Art Farbspiel basiernd auf den Tönen - das hört sich interessant an. Eine Art Umsetzung der Tonsprache in die Bildsprache – es wäre also die Erschaffung z.B. eines Gemäldes anstelle eines Songs. Nun, auf dem aktuellen Album „Auf Ewig“ gibt es Songs, die von mir in verschiedenen Stimmungen aufgenommen worden sind. Der erste Song „Eröffnung“ leuchtet in hellen blässlichen Farben - wie ein Aufschrei - und leitet ein in eine dunkle Welt – der zweite Song „Das schwarze Licht“ ist das Fehlen jeglichen Lichts – es ist die absolute Dunkelheit in tiefschwarz – die mit gewissen Ängsten verbunden ist – es folgt „Demenz“ – mitunter fröhlich bis bitter böse – ist die Farbgebung erneut blässlich gelb bis orange, wohingegen sie von „Siechend“ stark ins tiefblaue dunkle hineingezogen wird. So wird „Auf Ewig“ zu einer Farbreise – ich habe selber besondere Vorliebe für die Unfarben – also weiß, schwarz, grau und dies würde einen Großteil des Albums bestimmen - blässlich monochrom mit leichten Farbtupfern.

Welcher Jahreszeit - welchen Monaten fühlt ihr euch am ehesten zugeneigt?

Nun, es ist der Herbst, der meine Seele beflügelt und mir neue Energie gibt – konkret die Zeit nach dem heißen Sommer, also meistens Ende September / Oktober bis November – wenn die Sonne langsam immer tiefer steht und die Schatten länger werden – die Kälte schon spürbar ist und die Natur sich schlafen legt – dann fühle ich mich so richtig wohl und kreativ. Die meisten Songs von eXplizit einsam sind in der Zeit des Herbstes entstanden. Das hat mittlerweile Tradition. Es ist wohl einfach eine ganz besondere Stimmung, in der ich mich dann befinde. Dann gehe ich oft alleine durch den Wald – sehe die Blätter wie sie von den Bäumen fallen und lasse meine Gedanken kreisen. „Es ist eine schöne Zeit.“