Interviews

  
NACHTAKTIV
7 / 2011


20 JAHRE EXPLIZIT EINSAM

Explizit Einsam gibt es seit 20 Jahren. In dieser Zeit haben Explizit Einsam ihren Sound weiterentwickelt zu dem, was heute beschrieben werden kann als Darkwave & Gothic, der viele düstere und schwarzromantische Seiten zeigt und Klassik und Elektronik miteinander verbindet. Der Hörer wird bei Explizit Einsam in fremde Welten voller Dunkelheit und Einsamkeit entführt. 1992 wurde Explizit Einsam gegründet von Andreas Ohle.

AO: „Explizit Einsam spricht die Einsamkeit in jedem von uns an – sicher man hat Freunde und Familie, aber letztlich ist man doch mit sich selbst allein – es ist eine Art übergeordnete Einsamkeit – etwas universelles und auch eine Art Lebensgefühl. Explizit Einsam war für mich die Möglichkeit mittels Musik und Lyrik meinen eigenen dunklen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Damals begann ich Songs zu komponieren, die noch sehr minimalistisch und elektronisch waren. Bald folgte das erste Demotape „Das Trauma“ und ein erstes Interview im renommierten Gothic Magazin. Das war für mich sehr bedeutend und gab mir viel kreative Energie.“

In den nächsten Jahren hatten Explizit Einsam mehrere Veröffentlichungen. Der Sound wurde von Album zu Album komplexer und fand einen ersten Höhepunkt in den beiden CD-R Alben „Das Elixier“ und „Kelch der Trauer“.

AO: „Diese beiden Alben waren ein Wendepunkt für Explizit Einsam. Musikalisch erreichte ich damit genau das, was ich damals wollte, eine Art Fusion aus Darkwave, Gothic, Elektronik und Klassik. Zudem spiegeln die beiden Alben vieles wieder von dem wie ich in dieser Zeit gewesen bin. Ich war ständig unterwegs in schwarzen Clubs und habe dort viel erlebt, parallel dazu schrieb ich viele neue Songs, manchmal sogar zwei an einem Tag und war so vertieft in die Musik, dass ich an manchen Tagen vergaß etwas zu essen oder zu trinken. Ich war wohl auf der Suche nach etwas besonderem, wollte mein schwarzes Lebensgefühl auf gewisse Art und Weise einfangen.“

Im Jahr 2004 folgte die erste offizielle CD „Auf Ewig“ im Vertrieb von SX Distribution. „Auf Ewig“ gestaltete sich als schwarzromantisches Erlebnis der besonderen Art und befasste sich mit der Thematik von Tod und Leben, Sterben und Liebe.

AO: „Die Songs zu AUF EWIG schrieb ich in einer meiner emotional dunkelsten Phasen. Die willentliche und ganz bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik des Sterbens hatte mich schon immer fasziniert und in AUF EWIG stellte ich ein ums andere Mal die Frage: Was kommt danach? Wie wichtig ist es, sich das zu fragen und wie wichtig ist es das jetzt und hier zu erleben?“

2008 erschien die zweite CD unter dem Titel „Reflexion:Unendlich“. Das Album bietet einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche und handelt von der Existenz des Menschen und dem Aufbegehren des Verstandes gegen die eigene körperliche Gebrechlichkeit. Bei einer Band wie Explizit Einsam fragt man sich natürlich wie der Prozess des Songschreibens funktioniert. Ist die Musik zuerst da oder der Text?

AO: „Es ist immer zuerst die Musik vorhanden. Die Songs, welche mir besonders gefallen, werden später mit Gesangstexten versehen. Aber es gibt natürlich auch viele Instrumentalsongs, die mir gefallen und für die ich einfach keine Worte finde. So sind daher auf jedem Explizit Einsam Album immer auch Instrumentalsongs zu finden.“

Ausdrucksstarke Instrumentallieder wie „Schattentanz“, „Anagramm“, „Carpe Noctem“ oder der Sequenz-Zyklus leben von ihrem düsteren synthetischen Klang. Wie dunkel ist der Mensch Andreas Ohle selber, der sich dahinter verbirgt?

AO: „Explizit Einsam ist ein Teil von mir, aber ich habe noch viele andere Facetten. Ursprünglich war Explizit Einsam fast deckungsgleich mit dem, was ich empfunden habe, aber heutzutage hat sich Explizit Einsam zu einer eigenständigen Identität weiterentwickelt - einer Art zweites Ich, wenn man es so sagen will. Eine Identität, der ich, wenn ich es will neues Leben einhauchen kann, jedoch nur für kurze Zeit. Ich liebe diese Rolle, aber manchmal kann ich sie auch selbst kaum ertragen.“

Neben Explizit Einsam ist Andreas Ohle auch in anderen Bereichen der schwarzen Szene aktiv. Derzeit arbeitet Andreas an einem neuen Musik Projekt unter dem Namen „Konglomerat abgestorbener Bäume“. Dabei handelt es sich um ein düsteres Industrialprojekt, das, wie auch Explizit Einsam, auf Facebook zu finden ist.

AO: „Ich bin mit vielen Dingen beschäftigt in und um die schwarze Szene. Dies ist in gewisser Weise meine Heimat und hier fühle ich mich sehr wohl. Neben dem Dark Heart Magazin habe ich auch diverse Compilations in der Vergangenheit gemacht, bin als DJ für Gothic, Mittelalter und Darkwave seit langem in der Kölner Clubszene unterwegs und habe zudem an weiteren Musikprojekten gearbeitet.“

Nach dem Best-Of Album Totentanz, welches im Jahr 2009 als kostenloser Download auf der eigenen Webseite erschien, schreiben Explizit Einsam aktuell an einer neuen EP, die den Titel „1000 Stimmen“ hat. Wie begehen Explizit Einsam ihr 20-jähriges Jubiläum?

AO: „Ich werde mich wohl an meine alten Synthies setzen und in aller Ruhe und voller Inspiration ein neues Lied schreiben.“