REZENSIONEN


Reflexion:Unendlich (2008)

Format: CD Album
(Album Edition)

Beschreibung Songtexte Rezensionen Audio


ORKUS: "Im Nichts - ich bin im Nichts - ich bin hier - hort ich jemand - in meinem Nichts" (Unschein). Nach einigen Demo-Tapes brachte Andreas J. Ohle als eXplizit einsam im Jahr 2004 das Album Auf Ewig heraus, das der Künstler selbst als erste offizielle CD seines Gothic / Dark Wave Projekts bezeichnet. Nahm er bei diesem Output noch die Unterstützung seines Labels in Anspruch ist er mit der aktuellen Scheibe wieder zum Eigenvertrieb (www.expliziteinsam.de) zurückgekehrt. Nach wie vor charakteristisch ist der getragene monotone stellenweise hoffnungslos und leidend klingende Sprechgesang des Künstlers, mit er seine ausnahmslos deutschsprachigen Lyrics vorträgt. Auf Reflexion:unendlich drehen diese sich vorwiegend um die Körperlichkeit und Verletzbarkeit des Individuums und um seine Endlich- und Vergänglichkeit, tauchen ab in die menschliche Psyche und deren vielerlei (düstere) Gedankengänge. Eingebettet sind die intensiven Texte in dunkle elektronische Musik, oft sehr rhytmisch, auch tanzbar, die Grundaussage der Worte die richtige Stimmung gebend. Diese Kombination läßt Reflexion:unendlich zu einem modernen und doch zeitlosen, emotional sehr dichten Album werden das gleichzeitig beunruhigend, verstörend depressiv nachvollziehbar, traurig und sehr sehr dunkel ist. Ein - im positivsten Sinne - typisches Grufti-Album! (8,5 von 10 Punkten)"


DARK HEART: Mit der CD Reflexion:unendlich melden sich Explizit Einsam dieser Tage eindrucksvoll zurück. Das Gothic Darkwave Projekt veröffentlicht mit Reflexion:unendlich ein Album, dass musikalisch anknüpft an den Sound früherer Alben wie etwa "Kelch der Trauer" oder "Das Elixier". Erneut fusioniert die Band hier Elektronik, Darkwave und mittelalterliche Klänge zu einem ganz eigenen düsteren und synthetischen Sound. Immer noch zentraler Mittelpunkt der Musik von Explizit Einsam ist der Sprechgesang von Andreas J. Ohle. Mit dem Song "Wunsch" gelingt Explizit Einsam ein richtig clubtauglicher Song, der durch seine eingängige Melodie besticht. Raum für ruhigere nachdenklichere Klänge bieten Lieder wie "Unschein" oder "Wandel im Geiste". Auf Reflexion:unendlich finden sich aber auch wieder viele wunderschön klingende Instrumentalsongs wie etwa "Von dem Licht" oder das beeindruckende "Carpe Noctem". Mit dem experimentellen Song Erosion endet dieses neue Werk - ein offenes Ende trotz des finsteren Titel - man darf gespannt sein auf weitere Musik von Explizit Einsam. Anspieltips: "Unschein", "Wunsch", "Von dem Licht". Fazit: Einfach nur schön! (6 von 7 Monden)


TERRORVERLAG: Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Die Veröffentlichung des letzten Albums des Projektes um Andreas J. Ohle ist schon wieder gute 4 Jahre her. Nachdem man „auf ewig“ über den mittlerweile von der Bildfläche verschwundenen Vertrieb SXDistribution auf den Markt gebracht hatte, wurde diese Aufgabe für die aktuelle Produktion „Refexion:unendlich“ wieder in die eigenen Hände gelegt. Den Hörer erwartet erneut eine Reise in die Welten der „Neuen deutschen Todeskunst“, in der auch Bands wie RELATIVES MENSCHSEIN, GOETHES ERBEN oder DAS ICH umhergesegelt sind. Viele Bands aus dieser Ecke existieren heute nicht mehr oder sie haben sich anderen Genres zugewandt. Nicht so EXPLIZIT EINSAM, die mittlerweile auch auf eine sehr lange Historie zurückblicken. Hier wird diese Spielart konsequent weitergetrieben. Gerade diese Kontinuität verschafft dem Projekt zu einer sehr erfrischenden Authentizität. Die Songs bauen sich zumeist auf musikalischen Grundthemen auf, die EXPLIZIT EINSAM düster, morbide und kalt wirken lassen. „Unschein“ eröffnet ein Album, welches einen großen Schwerpunkt auf die Texte legt, was man heute leider nicht mehr von vielen Bands sagen kann. Nach dem etwas ruhigeren Opener ist „Wunsch“ ein richtig tanzbarer Song, der seine treibende Kraft vor allem aus dem gelungenen Rhythmus im Zusammenspiel mit einer sehr eingängigen Melodie erfährt. Der „Schattentanz“ ist geprägt von Marschtrommeln, „Wider den Korpus“ von bedrohlichen Klavierklängen und „Wandel im Geiste“ von soundtrackartigen Tonfolgen, die gut zu einem Psychothriller passen würden. „Carpe Noctem“ beginnt mit Orgelspiel (ist das eine Orgel?), das mich an Jahrmärkte in alten Grusel-Filmen erinnert. Ein echtes Highlight ist „Irrweg“, das wundervoll geeignet ist, die Augen zu schließen und die Sounds einfach nur auf sich wirken zu lassen. „Erosion“ beendet die „Refexion:unendlich“, die man als ein sehr gut gelungenes „Todeskunst“-Album bezeichnen darf. Mastermind Andreas J. Ohle versteht es einmal mehr, mit minimalen, aber niemals langweiligen Melodien und morbider, düsterer Poesie zu überzeugen. Schön, dass mit EXPLIZIT EINSAM immer noch eine so gute Band in diesem Genre existiert. Darkun (16.10.2008)


SCHWARZE NEWS: eXplizit einsam tummeln sich seit nunmehr sechzehn Jahren durch den deutschen Musikuntergrund und können bereits auf zahlreiche Stand-Alone Veröffentlichungen und Samplerbeiträge zurückblicken. Mit dem jüngst erschienenen Release, welches auf den klangvollen Namen Reflexion:Unendlich getauft wurde, setzt man da an, wo mit dem Vorgängerwerk „Auf Ewig” abgeschlossen wurde Herr Ohle präsentiert uns auch mit seiner jüngsten Produktion einen klaustrophobisch-kafkaesk anmutenden Alptraum, welcher sich in einem elektronisch-minimalistischem Gewand mit neoklassischen Einsprengseln zur Schau stellt. Neue Deutsche Todeskunst in Reinkultur also, welche all jene Hörer ansprechen dürfte, denen die einstigen Protagonisten dieser Szene (Das Ich/Goethes Erben) zu progressiv geworden sind. eXplizit einsam zelebrieren vergangene Zeiten auf eine fast schon anachronistische Art und Weise. Das ändert sich auch beim jüngsten Machwerk in keinster Weise. Thematisch steht die „Körperlichkeit und Verletzbarkeit des Individuums” im Zentrum der Scheibe, womit die Scheibe, um beim zuletzt genannten Aspekt zu bleiben, ein fast schon obligatorisches Themenspektrum bedient, was in dem Fall aber nicht wirklich tragisch ist. Den Auftakt bildet Unschein, dessen musikalische Basis eine schwermütig-morbide Klangwelt aus dem Sequencer ist, zu welcher sich der monoton-rezitative „Gesang” von Herr Ohle gesellt. Keinesfalls innovativ aber durchaus solide. Wunsch gestaltet sich in Ansätzen sogar recht tanzbar und dürfte sich wohl in so einigen schwarzen Clubs heimisch fühlen. Besungen wird die Nichtigkeit der menschlichen Existenz respektive ihr Verhältnis zum allumfassenden Universum. Durch das recht flotte musikalische Grundgerüst wirkt das Rezitativ hier stellenweise gar melodisch, was für Explizit Einsam Verhältnisse doch recht untypisch ist. Düster grollend läuten brummende Synthie-Klänge den Nachfolgetrack Schattentanz ein, welche von einem dumpfen Marschrhytmus begleitet werden. Von Gesang wird hier jedoch abgesehen. Wider den Korpus kann man als Vertreter des zentralen Motivs der Scheibe betrachten. Beginnend mit einem ruhigen, aber intensiven Intro steigert sich das ganze zu einem alptraumhaften rhytmusbetonten elektronischen Klangkollektiv. Die stimmlichen Qualitäten gehen über vom lethargisch-depressiven Rezitativ zu einem fordernden Ton, welcher so nicht zuletzt aufgrund des ansatzweise martialischen Textes wirken mag. Wandel des Geistes hingegen will mir nicht ganz zusagen, was in erster Linie an der schräg klingenden Einleitung liegen mag, zumal der Gesang hier zu pathetisch und getragen wirkt und nun sehr archaisch anmutet. Ein weiteres Instrumental folgt, welches auf den Namen Von dem Licht getauft wurde. Schwerfällige, tiefe (elektronische) Snare-Attacken tragen das ganze Stück vorwärts und werden dabei von einer inimalistischen, bedrückenden Melodie übermalt. Stilistisch wird ganz auf Monotonie gesetzt, die dem ganzen eine sehr triste Atmosphäre verleiht. Totengesang wartet mit einer kleinen Überraschung auf. Das Stück beginnt mit intensivem Flüstern und wird dann abgelöst vom gewohnten Sprechgesang. Musikalisch wird ebenso gewohnte Kost dargeboten. Ein puristischer Düster-elektronischer Sumpf mit neoklassischen Elementen. Auch hier folgt also das gewohnte Fazit: Hat es alles bereits gegeben, jedoch für den geneigten Hörer mit Hang zu nostalgischen Tagträumen Durchwegs empfehlenswert. Mittelalterliche Ansätze zeigen sich anfangs in Carpe Noctem , was jedoch recht schnell in höheren Tempogefilden mündet. Exodus scheint zumindest im inhaltlichen Konsens zu Wider den Korpus zu stehen, setzt musikalisch aber keine Akzente. Vielmehr reiht es sich brav in Reih´ und Glied zu den vorangegangenen Tracks. Erosion beginnt mit dem befremdlich verzerrten Ton eines elektronischen Impulses. Dazu ein Rauschen, welches den surrealistischen Charakter dieses Stückes unterstreicht und durch die einsam für sich stehende, triviale Snare ein zeiweiliges Leere-Empfinden hervorruft. Ein wahrlich beunruhigender Abschluss. Martin “Rostig” Pilot Fazit: Und welche Quintessenz ziehen wir daraus ? Auch Anno 2008 haben Explizit Einsam nichts von ihrem Reiz verloren und haben sich ihren ganz eigenen Charme erhalten. Nun gut, man mag es drehen und wenden wie man will. Der rezitative Sprechgesang von Herrn Ohle mag recht gewöhnungsbedürftig sein und birgt angesichts einiger lyrischer Faus-Pas eine gewisse unfreiwillige Komik, dennoch ist das Projekt aus dem rein musikalischen Blickwinkel betrachtet äußerst düster und vertrackt und erinnert in seiner Sperrigkeit an Frühentwürfe von „Das Ich”. Der Tod und die Vergänglichkeit werden auch auf dem neuesten Scheibchen gekonnt auf auditive Ebene transponiert. Abzüge in der B-Note erhält das Machwerk der mangelnden Abwechslung wegen, sodass es zusammen mit den textlichen und gesanglichen Schwächen nur zu einem voll befriedigendem Endprodukt reicht.


SCHATTENLICHT: Ein Name, der seit Beginn der 90`er Jahre immer wieder auftaucht, ist das Ein-Mann-Projekt "Explizit Einsam". Musikalisch ist dieses Projekt zu der Neuen Deutschen Todeskunst zu zählen. Im Gegensatz zu Vertretern dieses Genres wie Goethes Erben, Das Ich oder Lacrimosa blieb "Explizit Einsam" ein Geheimtip. Mit einem Sprechgesang a la Oswald Henke und anfangs noch minimalistischem Sound wandelte dieser sich später zum Darkwave. Doch dem Sprechegsang blieb er über die Jahre hin immer treu und verbreitete so seine düsteren schwarzromantischen Texte. Im Gegensatz zu anderen Bands blieb er auch der Bühne in den ganzen Jahren fern. Als Grund wurde von Andreas Ohle genannt, dass es unter anderem aus Zeitmangel nie dazu gekommen ist. So müssen wir auch im 16.Jahr von Explizit Einsam auf Live-Aufritte verzichten, aber dieses Mal kann man es durch das neue Album "Reflexion:Unendlich" verschmerzen und sich zu Hause das Werk anhören. (Sebastian)